Mehrsprachigkeit

Spracherwerb – in welcher Sprache auch immer – findet in den Familien, in institutionellen Einrichtungen und unter Peers statt. Daher ist es zielführend, wenn Familien und pädagogische miteinander kooperieren. Mehrsprachige Vorlesesituationen unterstützen den Spracherwerb nachhaltig. Das Einbeziehen von Eltern mit anderen Herkunftssprachen schafft Wertschätzung, Anerkennung und eine vertrauensvolle Beziehung.

Polylino bietet für zahlreiche Sprachen Tonspuren zu sorgfältig ausgewählten qualitätvollen Bilderbüchern, die eine Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Familiensprachen der Kinder möglich macht. Auf diese Weise kann Mehrsprachigkeit und Mehrschriftlichkeit in pädagogischen Institutionen gelebt werden. Herkunftssprachen der Kinder bekommen auf diese Weise Achtsamkeit und Wertschätzung. Kinder werden somit in ihrer Ausprägung einer mehrsprachigen Identität unterstützt und monolinguale institutionelle Barrieren abgebaut.

Einsprachig aufwachsende Kinder erleben so die Selbstverständlichkeit und Vielfalt verschiedener Sprachen und können sich in der Auseinandersetzung mit anderen Sprachen mit den Eigenheiten der eigenen Sprache vertraut machen.

Die Integration von Kindern mit nicht-deutschem Sprachhintergrund wird nicht selten ausschließlich als Einübung der deutschen Sprache missverstanden. Erkenntnisse der Sprachwissenschaft zeigen jedoch, dass die sichere Beherrschung der Muttersprache das Erlernen jeder neuen Sprache unterstützt und positive Auswirkungen auf die Identitäts-, Persönlichkeits- und kognitive Entwicklung hat. Viele Kindertagestätten gehen in ihrem Programm frühkindlicher Bildung bereits auf diesen Tatbestand ein.

Die gleichwertige Berücksichtigung mehrerer den Kindern als Muttersprache vertrauter Sprachen in einer einprägsam illustrierten Geschichte schafft eine demokratisch, vorurteilsbewusste Lernatmosphäre und ermöglicht bereits in Kitas eine durch Vielfalt geprägte Werteerziehung.

 

Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert, Professorin für Sprachpädagogik und Erzählende Künste in Sozialer Arbeit an der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam. Als Referentin für die Stiftung Lesen und Jurorin für den Leipziger Lesekompass engagiert sie sich seit vielen Jahren für die Leseförderung. Forschungsschwerpunkte sind Mehrsprachigkeit und Mehrschriftlichkeit, Leseförderung, sowie ästhetische Sprachbildung.

Sandra Niebuhr-Siebert begleitet die App-Entwicklung und Website hinsichtlich spracherwerbsrelevanter Aspekte, insbesondere der Mehrsprachigkeit und elementarpädagogischer Implikationen. Lesen Sie unser Interview mit Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert über Mehrsprachigkeit aus der Perspektive von Kindern!