Leseumgebung und Lesegruppen

 

Betrachten Sie die gesamte Kindertagesstätte als einen geeigneter Buch- und Leseplatz, in dem Kinder von Geschichten, Bildern und Alphabeten unterschiedlicher Schriftkulturen und vielen wertvollen und attraktiven Büchern und umgeben sind. Lassen Sie Kinder demnach nicht nur in Leseecken auf Bücher treffen. Versuchen Sie zum Beispiel, für so viele Räume wie möglich thematisch passende Bücher zu finden. So helfen zum Beispiel Kochbücher in der Küche, Bücher für Kinder zu einem natürlichen Teil ihres Lebensraums zu machen.

Stellen Sie nach Möglichkeit Bücher immer mit dem attraktiven Titelbild nach vorn ins Bücherregal. Denken Sie daran, dass für die Jüngeren besonders Pappbilderbücher geeignet sind und wertvolle, empfindlichere Bücher außerhalb ihrer Reichweite aufbewahrt werden.

Vermitteln Sie den Kindern, Büchern mit Respekt und Sorgfalt zu begegnen. Sprechen Sie mit ihnen über den Umgang mit Büchern, seien Sie ein Vorbild. Lassen Sie zum Beispiel Bücher nicht auf dem Boden liegen und entfernen Sie konsequent beschädigte Bücher.

 

Optimale Gruppenbildung

Versuchen Sie, nach Möglichkeit jeden Tag buchorientierte Aktivitäten wie Buchgespräche oder Vorleserunden einzuplanen, an denen alle Kinder teilnehmen können. Achten Sie dabei besonders auf diejenigen, die viel Zuwendung und Motivierung benötigen. Das können Kinder sein, die Schwierigkeiten mit langen Texten haben, die sich nicht konzentrieren können oder die sich in den Geschichten nicht wiederfinden. Ihnen bieten immer wiederkehrende und erkennbare Rituale Halt und Orientierung.

Bereiten Sie für diese Kinder nach Möglichkeit auch individuelle Angebote wie dialogisches Lesen vor. Hierbei können Sie durchaus auf das Buch zurückgreifen, das zuvor in der Gruppe präsentiert worden ist. Vielleicht findet sich für solche Kinder aber auch ein Buch, das ein ähnliches Thema besitzt, aber einfacher in Sprache und Komposition gehalten ist.

Achten Sie auf den Tagesablauf, die übliche Dauer der Anwesenheit und die Konzentration während bestimmter Tageszeiten, wenn Sie Zeitpunkt und Dauer ihrer Leseprojekte mit Kindern planen. Versuchen Sie, herauszufinden, welche Kinder im familiären Alltag an Bücher, Vorlesen und insgesamt an eine sprachliche und buchnahe Atmosphäre gewohnt sind, und welche Kinder hierin besondere Unterstützung benötigen.

Mit wie vielen Kindern eine Vorlesegruppe optimal funktioniert, hängt von den persönlichen Voraussetzungen der Kinder ab, von ihrem Alter und auf welcher Weise Sie mit dem Buch arbeiten. Handelt es sich um besonders junge Kinder in der Altersgruppe zwei bis vier oder Kinder ohne familiäre Gewohnheiten literarischer Kommunikation, die viel Unterstützung benötigen, um Geschichten zu verstehen und sich ihnen öffnen zu können, sollte die Gruppe im Idealfall nur aus zwei bis drei Kindern bestehen.

Ansonsten sind fünf bis sieben Kinder ideal, sowohl für die Aufnahme des Buches als auch für die interaktive, dialogische Rezeption des Gehörten und Gesehenen. Gespräche während des Vorlesens, anschließende Diskussionen, Kommentare, Meinungsäußerungen und Bewertungen der Kinder können bei dieser Gruppenstärke noch moderiert und die unterschiedlichen Aussagen als Gemeinschaftsleistung aller Kinder präsentiert werden.